Dufthölzer

Anne St. Marie, par Tom Palumbo.

Anne St. Marie, par Tom Palumbo.

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen, bäumt sich ein letztes mal auf, vergeblich, denn der Herbst ist da. Die Vegetation verströmt jetzt Herbe, erdige Düfte, die von der süsse Überreifer früchte harmonisch gemildert werden.

Die herbstliche, in ihrer Überschwänglichkeit wunderbar sublime Natur lädt Reiterinnen und Reiter ein, sich in Habit rouge zu kleiden. Der ledrige, orientalische Duft von femininer Maskulinität wurde 1965 von Jean-Paul Guerlain kreiert. Er öffnet auf hesperidischen Noten, denen zart würzige Orangenblüten Finesse verleihen. Auf diese - mörglicherweise - zu saubere Frische folgt mit Stil und Eleganz die Welt des Pferdes. Wuchtiges Leder lässt an Stiefel und Sättel denken, an Ausritte im Morgennebel durch schimmernden Herbstwald, voll erdigem Duft von Patschuli und holzigem von Zeder. Und dann erinnert diese Guerlinade mit der vanillierten Iris und Ambernoten daran, dass Reiterinnen und Reiter echte Ladies und Gentlemen sind.

Sie steigen vom Pferd und werden sofort umhüllt vom Duft und von der Animalität des Reistalls, wo angeschirrte Pferde ungeduldig auf den Ausritt warten. Die Spannung ist spürbar, denn der tierische Instinkt möchte sich endlich in der Freiheit entfalten. Diese besondere Stimmung eingefangen hat Mathilde Laurent in L'Heure fougueuse, der vierten Edition der Heures de Cartier. Sie hat das ungestüme Pferd elegant gezügelt, an der Mähne des unabhängigen Hengstes geschnuppert und schliessclich den Duft milde auf Stroh und Vetiver ausklingen lassen. Der Vollblüter ist gebändigt, ruht sich jetzt in seiner Box aus, wo es nach Eichenmoos riecht.

Nach dem morgendlichen Ritt und der Begegnung mit der animalischen Kraft erholen sich die müden Reiterinnen und Reiter am Kamin bein einem feinen Tässchen Weisstee. Das Feuer knistert, im hellen Flammenlicht zeichnen sich die flüchtigen, traumhaften Silhouetten bezaubernder weiblicher Wesen ab. Féminité du bois von Serge Lutens bedeutet japanische Ästhetik, die Entführung in Traumwälder, wo Chimären den Reitern Pfirsiche und Pflaumen anbieten und sie ermuntern, ihre Lungen mit Blütendüften zu füllen, deren zarte Würze für einen sinnlich-trägen Genuss sorgen. Die geistige Fülle klingt dann im gleichen Rhythmus ab wie die holzige, legere, sorglose Feminität sich verflüchtigt, zurück bleiben feine Hölzer, Zeder und Sandelholz, überdeckt von intensivem, erdigem Patschuli.

Cette traduction de l'article Chronique automnale, est parue dans le trimestriel F&W Luxe, du 28 septembre 2011.