Geweihter Rauch

Anne St. Marie, par Tom Palumbo.

Anne St. Marie, par Tom Palumbo.

Heute wird Parfum nicht mehr verbrannt, sondern versprüht. Aus dem einstigen Privileg der Götter ist ein weltliches Accessoire eleganter Frauen und Männer geworden.

Die Abstammung vom lateinischen fumare erinnert daran, dass Parfums in alten Zeiten als Opfergabe für ägyptische, griechische, babylonische und römische Götter verbrannt wurden. Dazu gehörte auch Weibrauch, etymologisch «das heilige Räucherwerk» oder Lateinisch incensum, wörtlich übersetzt «das, was verbrannt wird». Verglühendes Weihrauchharz wird zum Bindeglied zwischen den Gottheiten und der gemeinen Welt der Menschen.

Die christlichen Liturgien haben sich das wertvolle Harz, das aus dem Weihrauchbaum Boswellia Sacra gewonnen wird und ursprünglich aus dem heutigen Emirat Oman stammt, zu eigen gemacht. Die christliche Kirche stellt die Verbindung zwischen Gott und den Menschen symbolisch mit den Gaben der drei Könige für das Jesuskind dar. In der Heiligen Dreieinigkeit steht Gold für den Vater, Myrrhe für den Heiligen Gesit und Weihrauch für den Sohn.

Von Sakral zu Weltlich Inspiriert von den genauso feierlichen wie demonstrativen religiösen Zeremonien hat Rei Kawakubo mit Incense Avignon - einem Duft aus der schönen und ausgefallenen Kollektion Incense von Comme des garçons - einen Rauchfassträger skizziert, dessen üppig austretende Weihrauchschwaden die kahlen, imposanten Mauern einer Kathedrale mit ihrem Geruch füllen. Nur ein paar Vanille- und Kamillenoten mildern die kräftigen Duftschleier, die uns in einen mystichen Zustand oder zumindest in eine tiefe Andacht versetzen. Als Ausdrucke religiöser Festlichkeit verlangt Incense Avignon vor allem eins: andachtsvolle Stille.

Dieser christlichen Sakralität stellt Wazamba von Parfum d'Empire den Weihrauch als heidnischen Brauch gegenüber, bei dem der angerufene Gott ein Götzenbild und der Priester eine Frau ist. Er setzt den christlichen Kasteiungen des Fleisches den heiligen Weihrauch und die heilige Myrrhe, unterstrichen mit Essenzen aus Nadelbäumen und Sandelholz, entgegen und vergöttlicht so den Körper. Fast unbemerkt nimmt das befreite, sublimierte Fleisch die leicht säuerliche Note eines frischen Apfel an, der die sonnengegerbte Haut wunderbar geschmeidig macht.

Cette traduction de l'article Du sacré au profane est parue dans le trimestriel F&W Luxe, du 24 novembre 2011.